E-Plus-Verkauf: KPN-Miteigentümer Slim gibt Blockadehaltung auf

  • 26082013
    o2-eplus.jpg
    © wikimedia.org

    Bei dem geplanten Verkauf von E-Plus an o2, die deutsche Tochter der spanischen Telefónica S. A., wurde heute ein Haupthindernis aus dem Weg geräumt. Der mexikanische Multimillionär und Groß-Aktionär der niederländischen Telekommunikations-Gesellschaft KPN, Carlos Slim, hat seinen Widerstand gegen den Verkauf der KPN-Tochter E-Plus offensichtlich aufgegeben. Die offizielle Zustimmung soll am 2. Oktober 2013 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns erfolgen, bei der Slims Unternehmen América Móvil als KPN-Anteilseigner auftritt.

    Die deutsche Telefónica hat diesen Stand der Dinge heute in München bekannt gegeben, wies aber ausdrücklich darauf hin, dass die Kartellbehörden die Fusion bis auf weiteres nicht bestätigt haben. Slims Zustimmung sei dagegen eine "unwiderrufliche Verpflichtung".

    Preiserhöhung von 8,1 auf 8,55 Milliarden Euro

    Slim hatte den Ende Juli 2013 angekündigten E-Plus-Verkauf bisher damit blockiert, dass er den E-Plus-Verkaufspreis von ursprünglich fünf Milliarden Euro respektive 8,1 Milliarden Euro inklusive der Aktienanteile der Telefónica nicht für angemessen hielt. Der o2-Mutterkonzern hat sein Angebot jetzt auf insgesamt 8,55 Milliarden Euro aufgestockt und damit endlich die Zustimmung des US-amerikanischen Moguls gefunden.

    Das US-Wirtschafsmagazin "Forbes" beziffert Slims Vermögen auf insgesamt 72,1 Milliarden US-Dollar, auf der "Forbes"-Liste der Superreichen belegt er damit hinter Microsoft-Gründer Bill Gates knapp den zweiten Platz. Seit 2012 ist er auf dem europäischen Telekommunikations-Markt aktiv. Neben KPN hält Slim auch Anteile an der Telekom Austria.

    Bundeskartellamt mit wettbewerbsrechtlichen Bedenken

    Die deutschen Kartellbehörden sehen den Verkauf indessen skeptisch. Seit der vergangenen Woche beansprucht das deutsche Kartellamt die Zuständigkeit für die Fusion für sich. Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt ließ wissen, dass aus Sicht seiner Behörde kein anderes EU-Land die Kontrollbefugnis übernehmen könne, da die Transaktion ausschließlich den deutschen Markt betrifft. Bei Fusionen mit einem Volumen von mehr als fünf Milliarden Euro übernimmt normalerweise die EU-Kommission das kartellrechtliche Prüfverfahren.

    Mundt äußerte noch vor dem Start der eigentlichen Prüfung wettbewerbsrechtliche Bedenken. Die Zahl der Mobilfunknetzbetreiber hätte sich mit der Fusion von o2 und E-Plus auf drei verringert, in den meisten anderen EU-Staaten sind mindestens vier Anbieter auf dem Markt aktiv. Zudem erfolge die Fusion vor allem aufgrund von prognostizierten finanziellen Synergieeffekten: Die Kosten für den Betrieb der beiden Handy-Netze sollen demnach um über fünf Milliarden Euro sinken. Telefónica Deutschland würde durch die Zusammenführung der beiden Netze mit über 40 Millionen Kunden zum Marktführer in der deutschen Mobilfunk-Sparte. Eine endgültige Entscheidung, an der auch die Bundesnetzagentur beteiligt ist, wird erst im nächsten Jahr erfolgen.

    Ralf Schmidl  
    Autor:
    Ralf Schmidl
    Datum:
    26.08.2013
    Tags:
    O2, E-Plus, Übernahme, Carlos Slim, Bundeskartellamt, KPN, Fusion

Kommentare

Newsletter

Melden Sie sich jetzt an unserem Newsletter an und bleiben Sie immer auf dem neuesten Stand

  • Anrede