Stromnetze in Süd- und Ostdeutschland kurzzeitig vor Blackout

  • 31052013
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    Ein aktueller Bericht der Bundesnetzagentur verdeutlichte Ende letzter Woche, wie fragil die zuverlässige Energieversorgung in Deutschland sein kann. Ihren politischen Beirat informierte sie offenbar erst zu diesem Zeitpunkt, dass Teile der Bundesrepublik Ende März 2013 nur durch massive Eingriffe in die Kraftwerkstätigkeit einem Blackout entgangen sei.

    Demnach war das Stromnetz in Süd- und Ostdeutschland sowie in der polnischen Grenzregion in den letzten Märztagen durch zu hohe Einspeiseleistungen weitgehend überlastet. Am 25. März 2013 riefen die süd- und ostdeutschen Netzgesellschaften "Tennet" und "50 Hertz" sowie der polnische Stromversorger "PSE" die Warnstufe für ihre Netze aus. Betroffen waren die Hochspannungsleitungen zwischen Redwitz in Bayern und Remptendorf in Thüringen sowie die grenzüberschreitende Leitung nach Krajnik/Polen.

    Bundesnetzagentur: Weniger Eingriffe in den Kraftwerksbetrieb

    Die Netzbetreiber konnten durch das Abschalten von Windrädern und das Umsteuern ihrer Kraftwerke die sehr kritische Situation bis zum 27. März wieder normalisieren. Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur betonte, dass es sich in diesem Winter dabei um eine absolute Ausnahme gehandelt hätte. Insgesamt sei die Zahl von Eingriffen in die Kraftwerkstätigkeit im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Ein detaillierter Bericht soll nun im Laufe dieser Woche folgen.

    Grüne fordern Mindest-Gasreserve

    Deutlich skeptischer ist Oliver Krischer, ein Energie-Experte der Grünen. Wenn die Kältewelle in diesem März nur eine Woche länger angedauert hätte, wäre es wieder „richtig eng geworden“. Kritisch sah er vor allem den „rekordverdächtigen Tiefstand“ der bundesdeutschen Gasvorräte. Im vergangenen Jahr hätten einige Gaskraftwerke ihren Betrieb zeitweise unterbrechen müssen, nachdem Russland seine Erdgaslieferungen an Deutschland gedrosselt hatte. Eine sichere Versorgung mit Gas gilt als wichtige Voraussetzung, um die Energiewende zu schaffen, da die gut regelbaren Gaskraftwerke das stark schwankende Aufkommen an Öko-Energie kompensieren müssen.

    Zum aktuellen Winterende lag der Füllstand der Gasspeicher bei etwa 18 Prozent – im Vergleich zu über 40 Prozent in den vergangenen Jahren. Eine Rolle spielen dabei vor allem Gasverkäufe der Gasspeicher-Betreiber angesichts konstant hoher Börsenpreise. Die Grünen verlangten jetzt, eine verbindliche Mindestreserve für Erdgas festzulegen. Parallel dazu teilte der Bundesverband der Deutschen Energiewirtschaft mit, dass der Gasverbrauch im vergangenen Winter um knapp neun Prozent gestiegen sei. Demgegenüber habe sich der Stromverbrauch in Deutschland im ersten Quartal 2013 gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent verringert. Der Beitrag regenerativer Energien sei lediglich um zwei Prozent gewachsen. Einen Boom erlebe angesichts billiger CO2-Zertifikate jedoch konventioneller Steinkohlen-Strom mit einem Absatz-Plus von 14,5 Prozent.

    Ralf Schmidl  
    Autor:
    Ralf Schmidl
    Datum:
    31.05.2013
    Tags:
    Erdgas, Strom, Bundesnetzagentur, Blackout, Stromversorgung, Netzüberlastung, Gasreserve

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