Steht die private Krankenversicherung in Deutschland vor dem Aus?

  • 08052013
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    Die private Krankenversicherung (PKV) gerät im Wahlkampf 2013 wieder einmal politisch unter Druck. Die SPD will die PKV in ihrer heutigen Form vom Markt verschwinden lassen und durch eine Bürgerversicherung ersetzen. Auch die Grünen und Linke unterstützen das Konzept. Die Bürgerversicherung würde auf der Pflichtmitgliedschaft aller Bürger und einkommensabhängigen Beiträgen beruhen. Die Privatversicherer dürften weiterhin Zusatzversicherungen verkaufen, die bisher rund ein Fünftel ihres Geschäfts umfassen.

    Die derzeit neun Millionen PKV-Versicherten erhalten eine Wahl-Option zwischen ihrem bisherigen Versicherer und der gesetzlichen Bürgerversicherung – wenn sie sich für letztere entscheiden, stünde die private Krankenversicherung in Deutschland vor dem Aus. Anders als in früheren Jahren halten auch CDU, CSU und FDP die private Krankenversicherung nicht mehr für unantastbar. Die Branche müsse ihr Geschäftsmodell dringend überprüfen und „attraktive Lösungen“ für ihre Zukunftsfähigkeit entwickeln.

    Demografischer Wandel führt zu Attraktivitätsverlust der PKV

    Worin diese bestehen sollen, können allerdings auch Versicherungsexperten derzeit kaum schlüssig sagen. Zwar haben die privaten Versicherer in der öffentlichen Meinung aufgrund ihres Leistungsspektrums und der besseren Behandlungsqualität nach wie vor ein besseres Image als die gesetzlichen Krankenkassen. Im „Deutschen Kundenbarometer“ – der größten bundesweiten Studie zu Kundenzufriedenheit und Kundenbindung – haben sie in den vergangenen drei Jahren ihren Vorsprung gegenüber den gesetzlichen Kassen jedoch eingebüßt.

    Der Grund dafür liegt vor allem in der hohen Beitragsbelastung für PKV-Versicherte im Rentenalter, den sie – dann ohne Arbeitgeberzuschuss – fast alleine stemmen müssen. Da privat versicherte Senioren aufgrund des geltenden Versicherungsrechts nicht in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln dürfen, leiden viele private Kassen parallel dazu unter explodierenden Behandlungskosten, was ihre Beiträge insgesamt in die Höhe treibt. Privat versicherte Patienten beschwerten sich bei der Bundesregierung und den entsprechenden Versicherungsgremien bereits massiv über explodierende Beiträge sowie unvollständige Rückerstattungen von Behandlungskosten. Nach vielen „fetten Jahren“ bekommt somit jetzt auch die PKV die Folgen des demografischen Wandels mit voller Kraft zu spüren.

    Wegfall der PKV gefährdet Arbeitsplätze

    Durch die geplante Bürgerversicherung erleben die Gewerkschaften derzeit ein Dilemma: Einerseits unterstützen sie das Projekt der drei Parteien, andererseits dürfte die Bürgerversicherung jedoch zu einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen führen. Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag der Gewerkschaft Verdi kommt zu dem Ergebnis, dass der Wegfall der PKV insgesamt 60.000 Arbeitsplätze in der Versicherungswirtschaft sowie 11.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst für die Beihilfe-Abwicklung der privat versicherten Beamten kostet.

    Außerdem würden bis zu 50.000 selbstständige Versicherungsmakler eine wichtige Einkommensbasis verlieren. Auch einige Tausend Ärzte und Zahnärzte, die in ihren Praxen nur Privatpatienten behandeln, stünden zumindest vor dem temporären Aus. Ein Überleben der PKV neben der Bürgerversicherung hält der SPD-nahe Studienautor Rudi Paquet ebenso wie das Auffangen der freigesetzten Arbeitskräfte durch das neue Versicherungsmodell für ausgeschlossen.

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